Aktuell
Musikhören im Wandel: Streaming statt Brennen
Das Internet-ABC erklärt, warum die Musik aus der Datenwolke sich durchsetzen wird
(16.12.2011)

Schon immer hat sich die Art und Weise verändert, wie Menschen Musik hören - doch wohl noch nie haben sich so rasant Veränderungen ergeben wie derzeit. Das Internet wirbelt alles durcheinander. Bis vor wenigen Jahren war es üblich, Musik auf Datenträgern zu speichern, vor allem auf Platten oder CDs. Doch diese Zeiten sind vorbei. Seit einigen Jahren kann man Musik auch online kaufen, in Online-Musikshops wie iTunes, Musicload und vielen anderen - ganz ohne Datenträger. Die Musik landet als Datendatei auf der Festplatte, in der Regel als MP3-Datei oder in einem vergleichbaren Format.
Einmal auf der Festplatte, lässt sich eine Menge mit der Musik anstellen. Sie kann beispielsweise auf CD gebrannt werden, allerdings machen das immer weniger, denn Datenträger werden immer unbeliebter und auch überflüssiger. Musik ist heute digital. Die meisten hören sich gekaufte Songs am PC an, kopieren sie auf andere PCs oder nehmen sie auf MP3-Player oder Smartphone mit, um sie unterwegs anhören zu können. MP3-Musik ist relativ schnell kopiert. Allerdings entsteht eine neue Schwierigkeit: Wer Musik auf unterschiedlichen Geräten hören möchte, ist unentwegt damit beschäftigt, die Musik auf die unterschiedlichen Geräte zu kopieren und dort auch zu verwalten, denn neu gekaufte Musik muss dann auch wieder kopiert werden. Lästig.
Musik an zentraler Stelle speichern - zu Hause oder in der Cloud
Viel praktischer ist es da, die eigene Musik an einer zentralen Stelle zu speichern und von dort abzurufen, wenn man sie braucht, also anhören möchte - egal mit welchem Gerät. Vor einigen Jahren sind PCs als Media-Server für zu Hause verkauft worden, die genau diesen Sinn hatten. Sie dienen als Zentrale für Musik- und Video-Daten. Wenn man dann die Musik hören möchte, holt man sie sich dort ab. Das funktioniert aber eigentlich nur in der eigenen Wohnung gut, unterwegs wird es schon schwieriger, an die Musik ranzukommen.
Deshalb setzt sich mehr und mehr der Gedanke durch, Musik nicht zu Hause zu speichern, sondern in der Cloud, in der Datenwolke. Ist die gekaufte Musik dort abgelegt, kann man sie von überall abrufen, zumindest wenn eine Internetverbindung besteht. In den USA gibt es bereits mehrere Anbieter für solche Cloud-Dienste, die auch sehr populär sind. iTunes Match zum Beispiel erlaubt, alle Musik in der Cloud zu speichern, sowohl Musik, die man bei iTunes gekauft hat, aber auch Musik, die von CDs importiert oder woanders gekauft wurde - landet alles in der Cloud und kann von jedem Gerät aus abgespielt werden. Für 25 Dollar im Jahr.
Musik aus der Wolke kann immer abgespielt werden
Amazon bietet mit Amazon Cloud Drive einen ganz ähnlichen Service an, die ersten 5 GB Speicher sind hier sogar kostenlos. Bei Amazon gekaufte Musik landet auf Wunsch direkt in der Cloud, darüber hinaus kann man beliebige Musik im Amazon Cloud Drive laden und so von überall abspielen. Es gibt noch einige andere vergleichbare Dienste in den USA, etwa Google Music. Auch hier landen gekaufte Musikstücke in der Datenwolke und können mit PCs, Tablets und Smartphones abgespielt werden. In Deutschland sind diese Musikdienste bislang nicht gestartet, aber in Vorbereitung. Nach der Einigung zwischen Gema und Internetanbietern, die kürzlich nach jahrelangen Verhandlungen erfolgt ist, sollten solche Musikdienste auch in Deutschland angeboten werden.
Musik, die aus der Wolke kommt, wird nicht mehr auf Datenträgern gespeichert. Sie wird nicht mal mehr wirklich heruntergeladen, sondern gestreamt. Die Musik wird geladen, wenn sie gespielt wird - und nur für diesen Zweck. Man kann ohne weiteres 10.000 Musikstücke in der eigenen Bibliothek haben, mehr, als ein Smartphone fassen kann und trotzdem jeden einzelnen Titel spielen, eben weil die Musik erst zum Zeitpunkt des Abspielens aufs Gerät geladen wird, als Stream. Zwar besteht auch die Möglichkeit, einzelne Titel oder Playlisten ganz gezielt aufs Gerät zu laden, damit man auch in Offline-Zeiten, etwa auf Reisen, die Musik hören kann, aber man wird immer nur eine Auswahl downloaden. Die eigentliche Bibliothek bleibt auf den Servern.
Streaming-Dienste verkaufen keine Musik, sondern vermieten sie
Ein Konzept, das bei Musik-Streamingdiensten wie Napster, Deezer, Spotify und vielen anderen konsequent zu Ende gedacht wurde. Hier stehen Millionen von Songs zur Auswahl, oft mehr als 10 Millionen Titel. Kunden können sich alle Songs anhören, jederzeit und beliebig oft, meist zu einer monatlichen Pauschale von 10 Dollar oder Euro. Dafür kann man die Musik aber eben auch "nur" anhören, aber nicht downloaden. Man "besitzt" die Musik nicht mehr, sondern erwirbt das Recht, die Musik zu hören. Für alle, die mit Stolz ihre CD-Sammlung im Regal anschauen, ein schwieriger Gedanke und eine Umstellung. Dennoch setzt sich Streaming mehr und mehr durch.
Es gibt auch Mischformen: Streamingdienste, die auch Downloads anbieten. Gefällt eine Musik so gut, dass man sie auch auf CD brennen oder dauerhaft besitzen möchte, kauft man den Song als Download. Einige Streaming-Dienste verlangen einige Euro mehr, wenn die Musik auch auf mobilen Geräten wie Smartphones abgespielt werden soll, weil sie dort dann oft als Download vorgehalten wird, zeitlich befristet.
Nach Einigung: Mehr Streamingdienste in Deutschland
Fest steht: Wer solche Streamingdienste nutzt, bekommt für den Preis eines Albums im Monat eine Bibliothek von mehreren Millionen Musiktiteln geboten, die jederzeit zur Verfügung steht und beliebig oft angehört werden kann. Selbst wenn einzelne Titel mal nicht im Repertoire der Streaming-Anbieter sein sollten und als Download gekauft werden müssen, dürfte das unterm Strich günstiger sein als früher.
Noch ist das Angebot an Musik-Streaming in Deutschland sehr mager: Simfy bietet sogar kostenlose Musik an (werbefinanziert), Napster gegen Bezahlung. Doch das Angebot dürfte nun rasch größer werden, denn nach fast zehn Jahren zähen Verhandlungen haben es Gema und Internetindustrie endlich geschafft, sich auf einen Preis für das Abspielen von Musiktiteln im Internet zu einigen.
[Ein Beitrag von Jörg Schieb]
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